Ski-Trends: Wie geht’s weiter?

Die Experten der Ski-Industrie verraten die wichtigsten Trends der Branche

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Text Florian Tausch

Bild Mirja Geh, Hersteller

Welche neuartigen Materialien oder Konstruktionen verwendet Ihr in der aktuellen Kollektion?

4FRNT Matt Sterbenz

In der kommenden Kollektion setzen wir auf unsere Semi-Cap Sidewall-Konstruktion. Diese gab es bereits in den vergangenen Jahren bei manchen Shapes, nun kommt sie aber auch in unseren White Room Signature Ski vor, die über eine Rand-zu-Rand Voll-Holz-Konstruktion verfügen. Außerdem verwenden wir ein neuartiges Harz, das weniger Giftstoffe enthält und elastischer ist. Durch dieses hält auch die Vorspannung der Ski länger.

Blizzard Tom Rakuscha

Diese Saison präsentieren wir die Drei-Matrix-Technologie, bei der wir erstmals im Skibau den Sidecut im geflexten Zustand entwickeln. Die Taillierung vom Ski ergibt sich nicht nur zweidimensional aus der Breite vorne, mitte und hinten, sondern auch aus dieser Durchbiegungskurve. Und es gibt natürlich noch eine Weiterentwicklung unserer Flipcore-Technologie, die speziell bei den gerockerten Ski oder den stärker gerockerten Ski eingesetzt wird.

Elan MELANJA SOBER

In diesem Jahr kommt die Amphibio-Technologie – klassische Vorspannung am Innenski, Rocker am Außenski – auch auf den Freeride-Ski.

K2 Stefan Stankalla

Für uns hat das Thema Rocker natürlich schon seit vier Jahren zu 100 Prozent in der Kollektion Bestand. Wir verwenden jetzt, um den Ski zu stabilisieren, im vorderen Bereich eine neuartige Technologie, die Rox-Technologie. Dieses X mit einer darunterliegenden Carbon-Struktur stabilisiert den Ski in dem Bereich, bringt mehr Laufruhe, besseren Kantengrip und mehr Sportlichkeit.

Kästle Siegfried Rumpfhuber 


Kästle hat eine neue Early Rise-Konstruktion im Allmountain-Bereich zum Einsatz gebracht – die neue FX-Kollektion, die wir mit Chris Davenport zur Perfektion entwickelt haben. Technologisch haben wir Hollowtech 2.0 (mit einem 10 Prozent größeren Fenster) bei einigen Modellen aufgerüstet.


Line / Full Tilt Marian Homburger

Als neuartige Konstruktion verwenden wir für unsere SickDay-Modelle eine Maplelite-Bauweise: Solides Ahorn unterm Skischuh und leichte Espe an Skispitzen und Skienden für leichtes Schwunggewicht. Außerdem verbauen wir weiterhin die neuartige Skate-Deck-Konstruktion aus sieben Schichten Ahorn, horizontal verbaut, wie bei einem Skateboard – für maximale Haltbarkeit unseres Park-Skis Afterbang.

Movement Andreas Nägele

Das Innovationshighlight unserer Produktpalette verbauen wir aktuell in unseren Topmodellen der Tourenskier, die mit einer Breite von bis zu 100 mm auch in den Freetouring-bereich hineinragen. Wir bieten die TPT-Bauweise der X-Series Ski nun in der überarbeiteten dritten Generation an und können hier nach den Resultaten der vergangenen zwei Jahre behaupten, die innovativste Leichtbauweise anbieten zu können. Durch die neuartige Verklebetechnik mit carbonähnlichen Faserstrukturen gelingt es uns, einige Hundert Gramm Gewicht pro Ski einzusparen, ohne die Fahreigenschaften in irgendeiner Weise negativ zu beeinflussen.

Rossignol/Dynastar John Slaughter

Wir haben eine neue Freeride-Series konzipiert, d.h. in der Seven-Series gibt‘s drei verschiedene Modelle: Soul 7, Super 7, Squad 7, in den Breiten 106 mm, 117 mm und 120 mm. Diese Ski haben eine komplett neue Kon-struktion mit einer Wabenstruktur an Schaufel und Ski-Ende. Dadurch wird viel Gewicht gespart und es macht die Schwungeinleitung einfacher.

Scott Marc Rösti

Bei der aktuellen Ski-Kollektion stehen folgende Themen im Fokus: Dimension Sidecut – eine neue Generation der Ski-Seitenform. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Seitenform, kombiniert dieses Konzept zwei Radien mit einem zentralen, nicht taillierten oder einem größeren Radius unter der Bindung. Dank der Radien in der Schaufel und am Skiende punkten die Ski mit einfacher Schwungeinleitung, während der nicht taillierte Bereich (Freeski Modelle) oder der größere Radius (All-Condition- Modelle) für Stabilität, Energie und Präzision sorgt. Zusätzlich bringen wir eine neue, elliptische Sandwich-Seitenwangen-Konstruktion. Diese sorgt für herausragende Torsionssteifigkeit und einen konsistenten, zuverlässigen Flex für eine präzise Kantenkontrolle für jedes Terrain.

Skilogik David Mazarella

In unserer Kollektion verwenden wir fünf verschiedene Basis-Konstruktionen, je nachdem welche Fahreigenschaften wir erreichen wollen. Doch darüber hinaus bieten wir dank unserer individuellen Anfertigungen eine unbegrenzte Anzahl an Konstruktionen an.

Wie entwickeln sich Taillierungen und Skilängen?

Atomic Martin Traninger

Wir sind an einem Punkt angekommen, wo sich Taillierungen und Skilängen nicht mehr dramatisch verändern werden. Wir haben die verschiedenen Segmente und Bereiche, wo die Taillierungen, Mittelbreiten, Skilängen etc. festgelegt sind, das wird die nächsten Jahre jetzt mal so bleiben.

Fischer Karin Weißenbach

Im Freeride-Bereich haben wir eine Tendenz zu längeren Ski. Vor einigen Jahren war das ein bisschen anders, da hat man geglaubt, die Ski werden immer breiter und dafür kürzer, das ist nicht mehr der Fall. Bei den Breiten sind momentan 120-125 mm das Maximum. Dafür werden die Ski vielleicht ein bisschen länger. Da reden wir jetzt von so magischen Schallgrenzen, bei denen man vor drei bis vier Jahren noch gesagt hat, 1,89 sollten genügen. Heute sagt man: Ich brauche einen 1,92er, 1,93er Ski.

Movement Andreas Nägele

Die Taillierung und Länge passt sich bei uns der Entwicklung des Rockers an. Dieses Jahr konnten wir dazu eine neue Geometrie, den Light Rocker vorstellen. Der Ski basiert dann auf einer langen, sich zur Spitze verjüngenden Schaufel, gepaart mit moderater Vorspannung. Diese Kombination erlaubt beste Kontrolle über den Ski, bei gleichzeitig perfekten Fahreigenschaften. Die Skilänge wird bei dieser Bauart tendenziell eher länger.

Nordica Florian Seer

Tendenziell haben wir das Gefühl, dass die Ski eher wieder länger werden, entsprechend natürlich auch die Radien, und je weiter weg man von der Piste kommt, umso klarer kristallisiert sich das heraus.

Salomon Dirk Reinhardt

In der jetzigen Zeit, in der alle Ski mit Rocker-Shapes versehen sind, ändert sich auch die Skilänge ein bisschen nach oben. Im Bereich zwischen 7 und 10 cm mehr kann der Ski jetzt länger gefahren werden, das bietet mehr Stabilität, gerade im Gelände.

Das Thema Gewicht spielt eine immer größere Rolle beim Skibau. Geht das nicht zu Ungunsten der AbfahrtsPerformance?

4FRNT Matt Sterbenz

Wir glauben, dass bestimmte Ski-Kategorien, wie etwa Park-Ski, sehr von der Leichtbauweise profitieren. Ebenso Touren-Ski, mit denen man in unterschiedlichsten Bedingungen unterwegs ist – nicht nur im Powder. Aber es gibt auch Argumente dafür, dass ein Ski etwas wiegen muss. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass Fahren im Powder eine bestimmte Menge Kraft und Gewicht benötigt. Bei Touren kann man an allen möglichen Stellen Gewicht sparen. Darum denken wir, dass man die Abfahrtsperformance nicht für ein paar Pfund, die man beim Aufstieg einspart, aufs Spiel setzen sollte. Trotzdem beschäftigen wir uns natürlich mit dem Thema Gewicht, wenn wir neue Shapes kreieren und Sidecut, Vorspannung und Flex testen.

Blizzard Tom Rakuscha

Das ist ein wichtiges und heikles Thema, dem wir uns stark gewidmet haben. Wenn man nur versucht, radikal das Gewicht zu reduzieren, geht das tatsächlich zu Lasten der Performance. Wir arbeiten mit neuartigen Kernen aus verschiedensten Hölzern und wir kombinieren diese entsprechend des Einsatzgebiets vom Ski, um immer maximal leichtes Gewicht zu erreichen, aber nie Leistung zu verlieren.

Fischer Karin Weißenbach

Wir haben spezielle Technologien entwickelt, mit denen wir den Ski leichter machen können ohne Performance zu verlieren. So gibt es z. B. eine von uns patentierte Fräse, mit der wir den Skikern bearbeiten und so 20 bis 25 Prozent an Ski-Gewicht einsparen können. Auch bei den Begurtungen gibt es eine Fischer-spezifische Technologie: Wir haben Glasfaser-Begurtungen mit längsorientierten Carbonstreifen entwickelt, d. h. wir können bei der Glasfaser-Begurtung Gewicht rausnehmen.

Kästle Siegfried Rumpfhuber 


Kästle hat einen unerreichbaren Vorsprung: Hollowtech. Unsere patentierte „Lochschaufel 2.0“ spart pro Paar Ski 100 bis 120 Gramm an Masse, und diese Massereduktion erhöht gleichzeitig die Fahrperformance.


Line / Full Tilt Marian Homburger

Gewicht ist einer der wichtigsten Faktoren für das Handling eines Skis. Auch bei Line arbeiten wir stetig daran, unsere Ski noch leichter zu machen. Performance auf oder neben der Piste hat aber für uns absolut oberstes Gebot, und somit hat auch die Leichtbauweise, die wir verwenden, Grenzen!

Dennoch ist es bei unserer neuen Freeride/Allmountain-Serie Sick Day gelungen, verdammt leichte Ski zu bauen, die super auf jedem Terrain funktionieren.


Skilogik David Mazarella

Jede unserer fünf Basis-Konstruktionen hat eine unterschiedliche Dichte. Diese passen wir je nach Einsatzbereich an, um eine optimale Performance für den Ski zu erreichen. Wichtig ist, dass wir jede Flexverteilung auf jeder unserer Konstruktionen umsetzen können. Darum können wir Flex und Gewicht unabhängig voneinander entwickeln. Das ist wichtig, um bei jedem Modell das optimale Gewicht für die ent-sprechende Performance zu erhalten.

Stöckli Walter Reusser

Wir haben in der Kollektion nur Titanal-Ski. Gerade im Freeride-/Allmountain-Bereich gibt es ja sehr viele Hersteller, die mit Fiberglas-Ski arbeiten. Die Performance ist aber nie die gleiche wie bei einem Rennski-ähnlichen Titanal-Aufbau. Obwohl wir also immer Titanal verwenden, konnten wir das Gewicht so weit reduzieren, dass wir getrost sagen dürfen: Wir haben die leichtesten Titanal-Ski der Welt. Und wir haben die volle Performance unserer sehr sportlichen Ski.

Welche Segmente sind neben den Ski für Sie besonders wichtig: Schuhe, Bekleidung, Brillen, Protektoren?

Head Tassilo Weinzierl

Bei uns sind Schuhe natürlich sehr wichtig. Wir sind gerade in Deutschland mit diesen sehr erfolgreich, und dieser Markt ist durch die Verleih-Thematik sehr stabil. Des Weiteren haben wir jetzt seit zwei Jahren wieder die Head Sportswear im Programm, also eine eigene Ski-Kollektion. Das ist natürlich auch immer ein sehr wichtiger Produktbereich, und wir sind auf einem guten Weg, was Design etc. betrifft.

K2 Stefan Stankalla

Neben den Ski sind in den letzten Jahren noch Helme, Brillen, Stöcke hinzugekommen. Aber auch für die wachsenden Märkte Touren und Backside bieten wir Tools, d. h. Lawinenschaufeln, Lawinensonden etc. Ein wichtiger neuer Bereich bei uns, der ab der kommenden Saison eine sehr große Rolle spielen wird, sind Skischuhe. Das ist ein Parkett, wo wir uns das erste Mal bewegen und wo wir wirklich ein großes Marktpotenzial sehen.

Rossignol/Dynastar John Slaughter

Neben den beiden Marken Rossignol und Dynastar haben wir auch die Schuhfirma Lange. Schuhe sind definitiv ein sehr wichtiges Segment auf dem Markt. Wir haben natürlich auch bei uns immer Helme, Protektoren, Brillen – auch die spielen marketingmäßig und Verkaufszahlenmäßig eine Rolle. Hauptsächlich sind unsere Marken aber Ski- und Schuhmarken.

Scott Marc Rösti

Grundsätzlich sind für Scott als einer der wenigen „Head-to-Toe“-Gesamtanbieter sämtlich Produktgruppen wichtig. Aufgrund unseres Einstieges in den Ski-Schuh-Bereich genießt unsere „jüngste“ Kategorie sicher besonders hohe Aufmerksamkeit. Unser Ziel ist es, auch in diesem Bereich mit unseren neuen Produkten und Technologien hohen Komfort und bestmögliche Performance für unsere Kunden zu bieten.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: snow Nr. 02 / 2013

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