Besser powdern: Pulver, Sulz oder Bruchharsch?

Ist mir doch egal!

Mit der richtigen Fahrtechnik beherrschst Du jede Schneeform. Wie Du auf unterschiedlichen Bedingungen Deine Lines ziehst, verraten uns die Experten vom Deutschen Skilehrerverband

Bild DSLV

Gerade im Gelände ist es wichtig, mit den verschiedensten Bedingungen zurande zu kommen, denn eine rettende Piste ist im Normalfall weit weg. Diese Thematik beschäftigt natürlich auch die Experten vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV). Und die haben uns einen Blick in ihre Ausbildungspläne gewährt, in denen sie verraten, wie man auf die unterschiedlichen Gegebenheiten am besten reagiert. Spurwahl, Tempo und Fahrtechnik müssen also immer angepasst werden – was beständig bleibt ist der Hinweis: Egal auf welcher Unterlage Ihr Euch bewegt: Im freien Skiraum solltet Ihr immer eine vollständige Notfallausrüstung dabei haben.

1. Kurvenfahren im Pulverschnee

„In weichem Schneestaub mühelos schweben und gleiten“ – das ist der wohl größte Genuss für jeden Skifahrer.

Ausrüstung

• Eher breitere (Taille > 90 mm) und längere (körperlang bis plus ca. 10 cm) Allmountain-Ski

• Je breiter die Ski, desto größer ist der Auftrieb

• Große Stockteller bieten bessere seitliche Stützhilfe, auch beim Anschieben

• Dichte Bekleidung und dichte Skibrille – so gelangt kein Schneestaub an den Körper und in die Augen

Spurwahl

• Eher kürzere Radien – so erzielt man einen punktuellen Verdichtungseffekt des Schnees, was einen leichteren Kurvenwechsel ermöglicht

• Eher näher an der Falllinie fahren – das bringt weniger Reibungswiderstand und mehr Fahrtwucht

Tempo

• Leicht höheres Tempo – durch die höhere Fahrtwucht und Dynamik entsteht mehr Auftrieb und es ermöglicht ein leichteres Fahren der Ski. So nutzt man die äußeren Kräfte für ein ökonomisches Richtungsändern.

Aber: Das Fahrtempo muss immer im Rahmen der individuellen skitechnischen Fertigkeiten liegen.

Fahrtaktik

• Dosiert und rhythmisch hoch- und tiefbewegen

• Kurvenfahren ohne Unterbrechung

(= zyklisch) und mit betontem Rhythmus erleichtert das Richtungsändern

• Die Beinstellung ist eher schmaler. Das vergrößert die Flächenwirkung der Ski und damit den Auftrieb, so erhöht man die Stabilität

• Position und Belastung eher auf der ganzen Fußsohle bis hin zur Ferse. Das lässt die Skispitzen besser aufschwimmen. Bei stärker ausgeprägten Rockern und Ski mit Überbreite ist das allerdings weniger nötig

• Belastung eher mittig und auf beiden Beinen. Die Mehrbelastung bleibt aber weiter auf dem Außenski – so ist eine bessere Belastungsregulation möglich

• Sehr wenig und nur dosierte Kantbewegungen. Das hält die Flächen-wirkung der Ski groß und erhöht damit den Auftrieb und die Stabilität

Technik – Bewegungen

Für den Kurvenwechsel wird durch Abbremsen einer Tiefbewegung aus den Beinen die Belastung erhöht und der Schnee unter den Laufflächen komprimiert. Die dadurch entstehende Verdichtung des Schnees wird ausgenutzt und eine sofortige Hochbewegung angeschlossen. Es entsteht ein Schanzeneffekt, der mit dem Abbremsen der Hochbewegung verstärkt wird – dies führt zu einer Entlastung der Ski, die wiederum zum Ändern der Richtung genutzt wird. Als zusätzliche Entlastungs- und Rhythmushilfe dient der Stockeinsatz. Je stärker und schneller die Tiefbewegung aus der Steuerung abgebremst und die Hochbewegung angeschlossen wird, desto höher werden die Verdichtung und der folgende Schanzeneffekt für den Kurvenwechsel – so entsteht auch ein verstärktes Schwebegefühl.

In der Kurvensteuerung: Harmonisches, dosiertes und gleichmäßiges Tiefgehen bzw. Beugen aus den Beinen mit dosierten Drehbewegungen lässt die Ski mühelos gleiten. Am Ende der Steuerung wird zur Vorbereitung auf den nächsten Wechsel die Tiefbewegung entsprechend abgebremst. Bei Kurvenfahren mit großen Radien und hohem Tempo gelten dieselben Prinzipien, hier liegt die Anforderung besonders auf der richtigen Dosierung aller Bewegungen und auf einer exakten Belastungsverteilung „Vor-Rück“ und „Innen-Außen“.

2. Kurvenfahren im schwer drehbarem Schnee

Tiefer Sulz- oder Pappschnee – „mit Klebstoff und Honig unter dem Belag“ – das ist das wohl unangenehmste Fahrgefühl für jeden Skifahrer.

Ausrüstung

• Typische Allmountain-Ski – nicht zu lang, nicht zu breit (Taille ca. 80 bis 90 mm, körperlang) und nicht zu schwer. Sie sind gut drehbar und haben trotzdem genug Auftrieb

• Ski gut wachsen – Tubenwachs bzw. Paraffinwachs mitführen und ggf. auftragen. Frisch gewachste Ski fahren und drehen deutlich besser

• Große Stockteller bieten bessere Stütz- und Drehhilfe beim Kurvenwechsel

Spurwahl

• Eher mittlere bis größere Radien näher an der Falllinie – so erzeugt man weniger Reibungswiderstand

Tempo

• Eher höheres Tempo – durch höhere Fahrtwucht und Dynamik wird Reibungswiderstand überwunden und leichteres Fahren und Drehen der Ski ermöglicht (auch hier muss das Fahrtempo immer im Rahmen der skitechnischen Fertigkeiten liegen)

Fahrtaktik

• „Jetten und Andrehen“ – mit Fahrtwucht und kontrollierter Bewegungsdynamik überwindet man den hohen Drehwiderstand

• Engere Beinstellung und gleichmäßige Gewichtsverteilung verhindern einbeiniges Einsinken

• Beim Kurvenwechsel: ein rückwärtsgerichtetes Hochbewegen lässt die Ski aufschwimmen und entlasten. Diese Technik nennt man „Jetten“

• Das Vorausdrehen des Oberkörpers in die neue Kurvenrichtung unterstützt das Drehen der Ski = „Andrehen“

• Eine hohe Körperspannung erleichtert eine wirksame Übertragung der Bewegungen auf die Ski

Technik – Bewegungen

Im Kurvenwechsel erfolgt durch Abbremsen einer starken Hoch-bewegung ein Entlasten der Ski. Ein zusätzlich rückwärtsgerichtetes Hochbewegen verstärkt bei sehr schwer drehbarem Schnee die Skientlastung („Jetten“). Ein gleich-zeitiges Vorausdrehen des Oberkörpers in die neue Kurvenrichtung wird in der Folge auf die Beine übertragen und unterstützt das Andrehen der Ski in die neue Richtung. Der Stockeinsatz unterstützt das Aufrichten und Andrehen stark. In der Kurvensteuerung wird das Vorausdrehen des Oberkörpers gestoppt und die Rückwärtsbewegung nach vorne und mittig zu den Ski reguliert. Dosiertes Beugen der Beine schließt sich an. Kantbewegungen werden möglichst sparsam eingesetzt, um Flächendruck aufzubauen und den Schneewiderstand besser zu kontrolieren.

3. Kurvenfahren in Bruchharsch, „Plattenpulver“

„Immer wieder einbrechen, wie auf einer dünnen Eierschale“ – das wohl anstrengendste und mühsamste Fahrgefühl für jeden Skifahrer.

Ausrüstung

• Typische Allmountain-Ski – nicht zu lang, nicht zu breit (Taille ca. 80 –

90 mm, körperlang) und nicht zu schwer. Sie sind gut drehbar und haben trotzdem genug Auftrieb

• Schuhe gut schließen! Das erleichtert das Entlasten der Ski

Spurwahl

• Eher kürzere Radien, weit aus der Falllinie – dadurch wird der Druckaufbau besser möglich. Ein großer Kurvenwinkel in der Luft ist möglich, aber sehr anstrengend

• Längere Schrägfahrten schaffen Erholungsphasen und sparen Kraft

Tempo

• Kontrolliert, aber nicht zu langsam – die Fahrwucht erleichtert die Kurvensteuerung

Fahrtaktik

• „Explosiv entlasten, in der Luft andrehen und Ski wie einen Eisbrecher steuern“

• Die Belastung liegt eher auf beiden Beinen, so ist eine bessere Belastungsregulation möglich

• Eher enge Beinstellung. Die höhere Flächenwirkung der Ski verhindert einbeiniges Einsinken und erhöht die Stabilität

• Sehr wenig und dosierte Kantbewegungen. Das vergrößert die Flächenwirkung der Ski und damit den Auftrieb. So erreicht man eine höhere Stabilität

• Explosive Bewegungen erleichtern den Kurvenwechsel

• Eine hohe Körperspannung ist hilfreich in der Steuerung

Technik – Bewegungen

Im Kurvenwechsel erfolgt durch starkes und explosives Abstoßen aus den Beinen ein Entlasten der Ski mit Verlust des Schneekontaktes. Zur längeren Entlastungsphase können die Beine zusätzlich angehockt werden. Der Stockeinsatz dient als starke Entlastungs-, Stütz- und Rhythmushilfe. Die Kurvensteuerung beginnt unmittelbar nach Verlust des Bodenkontaktes. Die Ski werden schnell aus den Beinen angedreht und die Beine strecken sich, um die bevorstehende Landung vorzubereiten. Weit über die Falllinie gedreht, durchbricht man bei der Landung mit voller Wucht die Harschschicht, um noch eine kurze Steuerung anzuschließen, bei der wiederum Druck für das nächste explosive Abstoßen aufgebaut wird.

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Kurvenfahren im Pulverschnee – dosiertes und rhythmisches Hoch- und Tiefbewegen
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Kurvenfahren im schwer drehbaren Schnee – Jetten und Andrehen; mit Fahrtwucht und kontrollierter Bewegungsdynamik den hohen Drehwiderstand überwinden
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Kurvenfahren in Bruchharsch – explosiv entlasten, in der Luft andrehen und Ski wie einen Eisbrecher steuern

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: snow Nr. 02 / 2013

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