Tourenschuhe: Gut gekauft ist halb gespurt

Durch verschneite Wälder und Almtäler hindurch dem Gipfel entgegen stapfen und sich dann mit einer Abfahrt durch frischen Pulverschnee belohnen, das ist die Traumvorstellung vom Tourengehen.

Oft ist die Realität jedoch eine andere: Die Gipfelaspiranten quälen sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Berg hinauf und rutschen mit zitternden Oberschenkeln die Hänge hinab, um auf der Hütte die geschundenen Füße zu balsamieren und mit Blasenpflastern zu versorgen. Keine Frage: Für Tourengeher sind die Schuhe die Achillesferse. Wir hoffen, mit unseren Tipps die Anzahl der Blasen zu minimieren …

Text Marc Naumann Bild La Sportiva, Hersteller

Der Tourenschuh muss natürlich passen, keine Frage. Aber wann passt er denn wirklich? Da sich der Fuß im Verlauf des Tages leicht vergrößert, am besten abends zur Anprobe gehen und die eigenen Skisocken nicht vergessen. Thema Socken: bloß nicht so dick wählen wie die normalen Skisocken. Durch die Bewegung entsteht genug Wärme, und mehr Material reibt auch mehr. Interessant sind doppellagige Socken, deren Reibung sich zwischen den Lagen abspielt. Häufiger Fehler beim Anprobieren: Man steht sofort auf. Besser ist es, erst mal die Ferse in den Schuh zu klopfen, so dass man hinten richtig ansteht. Dann Schnallen zumachen und erst jetzt aufstehen.

Gleiches Prinzip auch draußen im Gelände. Durch das „Reinklopfen“ vermeidet man Blasen an der Ferse, wenn der Fuß satt im Schuh steht. Die Zehen dürfen sich auch ein wenig bewegen können. Dann mit der Gehfunktion ruhig mal durch das Geschäft schlendern, um den Einsatz zu simulieren. Den Schuh zur Probe mit nach Hause nehmen ist auch eine gute Idee. Der Händler sollte die Fußbreite beachten, denn jeder Hersteller hat eine Tendenz zu entweder breiten oder schmalen Schuhen. Wichtig ist bei allen Tourenschuhen, dass die Ferse bestmöglich im Schuh fixiert wird und sich nicht bewegen kann und die Breite der Zehenbox zu den eigenen Füßen passt – keine Chance den Blasen.

Technik die begeistert!

Das Einsatzgebiet schränkt die Auswahl ein. Ist das Ziel ein Skitourenrennen, dann muss der Schuh extrem leicht und flexibel sein. Bei einer Mehrtages-expedition muss er hingegen besonders warm und komfortabel sein. Die erste Einordnung macht man anhand der Schnallenanzahl: wenige Schnallen = aufstiegsorientiert, ab vier Schnallen = abfahrtsorientiert. Schnallen können auch durch Straps (Klettbänder) ergänzt werden, die entsprechend leichter sind. An zweiter Stelle steht dann meist die Beweglichkeit der Gehfunktion – die Schaftrotation. Im Praxiseinsatz können sich große Unterschiede ergeben. Auch hier ist probieren besser als studieren.

Mit Blick auf die Abfahrt rücken Flex und Vorlage in den Fokus. Auswechselbare Zungen mit unterschiedlichem Flex oder verschiedene Einrastpositionen der Skifunktion erweitern das Einsatzspektrum. Die Schnallen sollten sich weit öffnen lassen und feinjustierbar sein – im Aufstieg lässt man die Schnallen offen, um beweglicher zu sein.

Beim Innenschuh scheiden sich die Geister: verformbar oder zum Schnüren? Ersterer passt wie angegossen an den Fuß, bietet aber selbst wenig Halt. Der Schnürer fixiert den Fuß auch dann noch, wenn die Schnallen offen bleiben und kann evtl. auch als Hüttenschuh verwendet werden.

Will man Kletterpassagen ohne Ski nicht ausschließen, muss die Sohle entsprechend profiliert sein bzw. für Steigeisen geeignet sein. Wer mit einer Pin-Bindung unterwegs ist, braucht die Inserts an der Front und an der Ferse des Schuhs. Bei der Backenbindung hingegen passen alle Modelle.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: snow Nr. 01 / 2014

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