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Die große Freiheit mit zwei fetten Latten

Der Winter steht vor der Tür.

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Wenn Frau Holle dann ordentlich frischen Powder aus ihren Betten schüttelt, ruft der Berg– nach einer fetten Freeride-Session. Was fehlt, ist das passende Equipment. Wir hätten da einige Empfehlungen …

Text Marc Naumann

Manche würden behaupten, dass Freeriden das wahre Skifahren sei, sozusagen die Urform. Denn Skifahren hatte seine Anfänge nicht im Skigebiet, das kam erst später hinzu. Das Skigebiet hat Skifahren erst industrialisiert, nachdem sich waghalsige Freeride-Pioniere etwa beim Sekundenrennen am Krippenstein in die Schneetiefen stürzten oder am Karwendel den legendären Dammkar-Wurm bildeten, um die lange Abfahrt in freier Wildbahn zu genießen.

Heute geht es zwar nicht gediegener zu, aber jedenfalls hat sich der Anspruch an das Material und den Style geändert. Viele Hersteller kommen dem mit ausgefeilter Technik und speziellen Freeride-Modellen nach. Wir stellen die Key-Facts des Freeridens vor, worauf es bei der Wahl des richtigen Ski ankommt und welche Technik- und Material-features die nächste Saison bestimmen werden.

Freeriden (freies Fahren) ist keine besondere Skitechnik, es ist eine Einstellungssache. Freerider wollen den Schnee, den Berg und sich selbst erleben. Die Infrastruktur am Berg wird nur insoweit genutzt als es sein muss, als Aufstiegshilfe zu den Hotspots im Backcountry. Und dann geht es hinein ins Tiefschneevergnügen: Über unverspurte Hänge, durch das Winterwunderland. Dort wo einen die Massen des Skibetriebs nicht stören, wenn man mit dem Gelände spielt. Die neuen Freeride-Modelle sind bestens dafür geeignet. Mit maximaler Breite, Rocker und anderen Finessen geht es in den Powder.

Breite ist alles

Mit der Breite kommt und geht der Spaß beim Freeriden, denn ohne den nötigen Auftrieb verwandelt sich das feine Pulver zu einem gewaltigen Hindernis. Mit dem klassischen Freeride-Ski kann man aber auch mal ohne Probleme einen Umweg über die Skipiste zum nächsten Tiefschneehang nehmen. Das Design ist nicht ganz so aggressiv wie bei den Big Mountain Ski, die extrem breit sind und teils als Twin-Tip-Rocker vorne wie hinten oder sogar als Full Rocker (die „Banane“) eine ausgeprägte Aufbiegung haben. Das Ergebnis ist dann pures Tiefschneepowdern mit Surffeeling.

Ein weiterer Unterschied zum klassischen Ski: die Freeride Modelle sind weniger tailliert. Dadurch ergeben sich teils gigantische Radien von bis zu 40 Metern. Im Normalfall liegt dieser allerdings im Bereich +20 Meter, während der Alpin-Ski bei 10 bis 20 Metern liegt. Mit solch großen Radien lässt sich herrlich cruisen, aber enge Passagen oder Treeruns erfordern dann die ganze Aufmerksamkeit und viel Kraft.

Welcher Ski ist nun der passende?

Bei den Freeride-Ski ist es wie bei jedem anderen Typ: es gibt für alles einen Spezialisten, aber auch gute Allrounder.

Der Allrounder, passt immer, eignet sich für diejenigen, die vor allem unverspurte Schneehänge hinabdüsen wollen, zwischendurch aber auch einmal über eine Piste wollen oder müssen. Beim Free-riden braucht der Ski auf jeden Fall eine breite Schaufel und Auflagefläche, sonst bleibt man immer wieder im Schnee stecken und muss zudem mit viel Rückenlage fahren. Das führt schnell zu einem gewaltigen Oberschenkelbrand und weniger Kontrolle. Auf der Piste wird es jedoch mit zunehmender Breite des Ski schwieriger, kontrolliert und sicher die Kanten einzusetzen. Ein gutes Mittelmaß, das beiden Anforderungen noch gerecht wird, liegt bei etwa 90 bis 110 mm Mittenbreite und einer Schaufel, die 20 bis 30 Prozent darüber liegt. Daraus ergibt sich dann ein gemäßigter Freeride-Ski, der auch härteren Untergrund verträgt und drehfreudig bleibt. Je mehr der Fokus auf Powderruns liegt, desto geringer die Taillierung (= großer Radius) und breiter der Ski (= hoher Auftrieb). Big Mountain-Ski sind hingegen auf Tiefschneepowdern deluxe ausgelegt. Maxi-maler Auftrieb ist das Credo. Das bedeutet schmaleres Ende bzw. nach hinten verlagerte Bindungsposition, breite Schaufel mit starkem Rocker und gemäßigte Taillierung. Damit haben diese Spezialisten teils einen Radius, der sich oberhalb der 30 Meter bewegt. Ein Kurzschwung, etwa im Wald oder an engen Passagen, erfordert dann richtig Beinarbeit. Aber liegt der breite Powderhang erst vor einem, kann man mit diesen Ski ganz smooth den Hang hinabsurfen. Ganz extrem wird es erst, wenn man mit surfboardähnlichen Ski auftritt. Solche lassen sich dann aber auch nicht mehr mit viel Kraft und Technik auf hartem Untergrund bewegen, machen aber im Tiefschnee unendlich viel Spaß. Allerdings finden sich die passenden Bedingungen im Alpenraum eher an Ausnahmetagen. Als „One-and-only-ski“ ist ein Big-Mountain-Modell deshalb nicht wirklich zu empfehlen.

Jede Menge Neues

Die neuen Technologien für den kommenden Winter, die noch mehr Spaß beim Freeriden versprechen:

• Rocker vs. Camber: Insbesondere der Full-Rocker ist bei den Freeride-Ski 2013/14 vertreten, die Enden sind noch weiter aufgebogen, die Auflagefläche im Stand minimal. Um den Freeride-Ski auch auf der Piste fahrbar zu machen, wird der Rocker etwa bei Elan diagonal an der Außenkante angesetzt, das erhält den Kontakt auf der Innenseite.

• Light Weight: Leichtbau ist der neue Trend im Skibau. Bisher galt, mit der Masse kommt die Klasse. Aber im Tiefschnee gelten andere Gesetze: wer zu schwer ist, bleibt stecken. Die Industrie hat diese Saison wirklich viel getüftelt. Rossignol etwa hat für die leichte Air Tip Konstruktion einen ISPO Award erhalten. Dabei wird in der Skischaufel ein steifes, aber extrem leichtgewichtiges Wabengerüst eingesetzt.

• Schaufeldesign: Elan versieht seine neue Spectrum Linie mit der Diamant-Schaufel. Durch die surfboardähnliche Spitze treibt der Ski schneller auf und gleitet durch den Schnee.

• Taillierung: Stöckli will mit dem Y72 das Einsatzfeld weiten. Der Ski hat eine extreme Taillierung: 129-72-99. Das soll für Auftrieb im Tiefschnee und Kontrollierbarkeit auf der Piste sorgen.

• Radius: Dupraz, eine kleine Powder-Ski-Schmiede, geht einen individuellen Weg. Die Ski haben auf der einen Kante einen weiten Powder-Radius und auf der anderen einen kleineren Pisten-Radius. Wechselt man die Ski von links nach rechts, ändert sich das Setup entsprechend.

• Ökologie: Die Lebensdauer eines Ski ist nicht besonders lang, da machen sich recycelte Materialien besonders gut.

Als Materialien kommen neben Holz, organische Fasern, auch recycelte Plastikflaschen zum Einsatz.

Mit dem passenden Ski seid ihr bestens gewappnet für den anstehenden Tiefschneewinter.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: snow Nr. 02 / 2013

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