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Allmountain Free: Ein Ski für alle Fälle

Freeride-Ski, die auch auf der Piste funktionieren? Gibt es.

Wir haben die aktuellen Modelle einem Härtetest unterzogen und stellen 10 Ski vor, die den Spagat schaffen.

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Text Florian Tausch Bild Mirja Geh

Die extra-breiten Allmountain-Latten bilden derzeit ein spannendes Segment, liegen sie doch haarscharf an der Grenze zu den reinen Free-ridern, die sich wiederum seit einigen Jahren zum großen Trend der ganzen Branche aufgeschwungen haben.

Zumindest in der Außendarstellung der Ski-Industrie und Tourismusverbände – etwa in Prospekten und Werbemotiven – scheint es heutzutage ja kaum einen Fahrer zu geben, der nicht ständig bis zur Hüfte im Powder steckt. Und auch wirtschaftlich haben die Geländeski für die Ski-Firmen unbestritten stark an Bedeutung gewonnen. Aber: Aufs Gesamtvolumen der in Europa verkauften Ski gesehen, sind die „reinen Freerider“ immer noch ein Nischenprodukt. Denn nicht jeder Skifan fühlt sich den Herausforderungen des Geländefahrens vollkommen gewachsen. Nicht jeder will Anstiege gehen oder mit abgeschnallten Ski bergauf hiken. Nicht jeder will auf den Genuss einer frisch gewalzten Piste vollkommen verzichten.

Doch wenn die Bedingungen stimmen, möchte so gut wie jeder das Freeride-Gefühl selber erfahren.

Hier kommen die breiten Allmountain-Ski ins Spiel, die wir in der Kategorie Allmountain Free zusammenfassen. Dies sind echte Gelände-Ski mit Pisten-Airbag – das perfekte Gerät für alle, die das Backcountry erkunden, aber immer wieder auch auf die Piste ausweichen wollen. Und das nicht nur notgedrungen, sondern weil es Spaß macht und die Performance des Skis es hergibt. Dank neuer Konstruktionen funktioniert dieser Spagat selbst mit 90 mm unter dem Fuß. Salomon-Mitarbeiter Dirk Reinhard erklärt den Trend zu immer breiteren Ski: „80 mm ist mittlerweile eine Standardmitte geworden, und so bekommen diese Allmountain Free-Modelle mit Mitten um 90 mm auch eine neue Bedeutung. Die funktionieren heute auch noch sehr gut auf der Piste, auch wenn die Geländeeignung natürlich schon im Vordergrund steht.“

Unterschiedliche Philosophien

Um diese Perfomance zu erreichen, sind die Ski in hochwertiger Sandwich-Konstruktion mit Seitenwange aufgebaut. Ob dabei auch Titanal-Einlagen verwendet werden, bedarf einer genauen Abwägung: Einerseits soll der Ski trotz der Breite nicht zu schwer werden und weich flexen, damit er im Tiefschnee nicht zu träge wird – was gegen die Metallbegurtung spricht. Andererseits will man auf härterem Untergrund Kantengriff und Spritzigkeit erzielen – was üblicherweise durch Titanal-Begurtung erreicht wird. Und so ist es wohl eine Philosophie-Frage der verschiedenen Hersteller. Die Schweizer Firma Stöckli – für die sportliche Abstimmung ihrer Ski bekannt – verbaut auch bei den Breitski Titanal. Ebenso Rossignol, „aber nur eine Lage oder eine kurze Lage nur im Bindungsbereich“, wie Rossignol-Mann John Slaughter erläutert. Fischer oder Salomon hingegen setzen auf eine etwas weichere Abstimmung ohne Titanal.

Einigkeit besteht hingegen darin, dass ein solch geländeorientierter Ski gerockert sein muss, sei es mit einem relativ starken Tip-Rocker (Atomic, Dynastar, K2, Nordica, Stöckli, Tecno Pro) oder einem Tip-und-Tail-Rocker (Blizzard, Fischer, Head, Rossignol, Salomon). Elan setzt auch bei diesen breiten Ski auf die hauseigene Amphibio-Technologie mit asymmetrisch aufgebogenem Rocker. Die echte „Banane“, d.h. der komplette Verzicht auf Vorspannung in der Skimitte bei aufgebogenen Enden, findet man in dieser Kategorie nicht, denn die Spannung unter dem Fuß ist wichtig für die Performance auf der Piste.

Große Breite, geringes Gewicht

Eine große Herausforderung beim Bau dieser Ski ist, trotz ihrer Breite das Gewicht in Grenzen zu halten.

Im Tiefschnee, wo der Fahrer naturgemäß etwas mehr arbeiten muss, machen sich schon wenige Gramm entscheidend bemerkbar. Zudem werden sicher viele Skifans diese Modelle mit einer Aufstiegs- oder Tourenbindung ausstatten und werden im Hinblick auf solcherlei Einsatz das Gewicht ihrer Ski im Auge behalten. Nicht zuletzt sind diese Modelle auf der Piste alleine durch ihre Breite eher träge. Auch diesem Nachteil will man durch leichte Ski entgegenwirken. Neben der oben beschriebenen Titanal-Frage bietet sich den Firmen vor allem der Holzkern als mögliche Stellschraube zur Gewichtsreduktion an. Blizzard-Marketingchef Tom Rakuscha sagt dazu: „Gerade bei den breiten Ski verbauen wir spezielle, teilweise aus mehreren Hölzern zusammengesetzte Kerne, mit denen wir einerseits Gewicht sparen, andererseits für die nötige Abfahrtsperformance sorgen.“

Fazit: Wer dem Freeride-Trend folgen, aber trotzdem pistentaugliches Material unter den Füßen haben möchte, für den sind Ski der Kategorie Allmountain Free erste Wahl. Mit Mitten um 90 mm und ausgeprägten Rocker-Konstruktionen bieten sie super Auftrieb im Tiefschnee und Stabilität auch bei zerfahrenen Verhältnissen. Andererseits haben sie genug Kantengriff und Lebendigkeit selbst für sportliches Pistenfahren – so lange der Untergrund nicht ausgesprochen hart oder eisig ist. Der Fokus liegt aber klar auf der Geländetauglichkeit – wobei dies ja nicht immer gleich Backcountry-Fahren heißen muss: Vor allem wer gerne links und rechts neben der Piste fährt, aber auch häufiger auf diese ausweicht, findet in der Kategorie Allmountain Free das ideale Gerät.

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K2 AMP Rictor 90 Xti Der Rictor, K2’s Erfolgs-Ski der vergangenen Jahre, hat einen dicken Bruder bekommen. Der Rictor 90 Xti schließt die Lücke zwischen Allmountain und Freeski. Und wie er das tut! Der Ski surft über den weichen Schnee wie ein Wellenreiter, fühlt sich im Gelände pudelwohl und pflügt locker selbst durch sulzigen Tiefschnee. Ein leicht zu drehender Ski, der alle Radien mitmacht – und zwar auch auf der Piste, wo er sich wendig und doch spurstabil gibt. Absolut ausgewogen und breitbandig einsetzbar – ganz wie es sich die Tester von einem Modell dieser Kategorie wünschen: „Überragender Ski, stabil bei allen Schwungformen – ob im Gelände oder auf der Piste!“
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Nordica Steadfast Ein Allmountain Free-Ski, der in allen wichtigen Faktoren hervorragend punktet. Ein Teilnehmer gerät total ins Schwärmen: „Der Herrscher der langen Schwünge – dieser Ski wird bei mittleren und langen Turns erst richtig wach! Das ist seine Welt!“ Mit unglaublicher Laufruhe zieht er durch die Kurven, sogar auf der Piste ist er ein richtiger Spaßmacher. Wer glaubt, dass sich mit so breiten Ski nicht carven lässt, der irrt. Im Gelände zeigt er vor allem sein ganzes Können, wenn das Tempo etwas höher gehalten wird. Dann lässt er sich von nichts aufhalten. „Der Prototyp eines Allmountain-Skis. Kompliment!“, sagt ein Tester. Dieses geben wir gerne weiter.
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Stöckli Stormrider 95 Wo soll man bei diesem Ski anfangen? Bei den absoluten Bestwerten, die sich dieses Modell in jeder einzelnen getesteten Variablen verdiente? Oder bei den euphorischen Fahrer-Kommentaren? Die Werte können Sie sich selber ansehen. Die Testerstimmen reichen wir Ihnen hier nach: „Ein geiler Ski mit Grins- faktor“, „Superleicht im Gelände zu fahren“, „Schwimmt tadellos auf“, „Riesen-Carvingzug auf der Piste“, „Ultrageil, saugut, butterweich im Gelände“, „Skifahren wie Gott in der Schweiz!“ „Dieser Ski hat natürlich einen stolzen Preis – aber mir wäre es das wert …“

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: snow Nr. 02 / 2013

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